India...Land der Gefühle

‘Sati’ ist eine Geschichte über eine der menschlichsten Erfahrungen, die wir machen können, über Akzeptanz und Abweisung.
Die Geschichte ‘Sati’ basiert auf einem therapeutischen Model von Bernd Hellinger: der systematischen Familienaufstellung.

Sati

Vor langer Zeit lebte einst in Indien ein Ehepaar kinderlos. Er war Geschäftsreisender, sie eine elegante schöne Frau. Wenn er auf Reisen war, schloss sie gewissenhaft am Abend die Fenster, verriegelte die Türe, blieb noch einwenig bei Kerzenschein sitzen und las in einem Buch. Bis dann auch sie zu Bett ging und das Licht verlosch.

Puna Ein Tempel in Puna im Licht der untergehenden Sonne

Als dann der Mond von Wolken verdunkelt war,  kam eines Nachts ein Einbrecher. In der Dunkelheit raubte er nicht nur Geld und Schmuck, sondern knebelte die schöne Frau und verging sich an ihr. Unerkannt entkam er in dieser Nacht.

Der Frau aber ging es von diesem Tage an nicht mehr gut und bald darauf verstarb auch sie. Es wurde sogar in der kleinen Stadt gemunkelt, sie hätte Gift genommen. Doch die Zeit verstrich und diese Geschichte geriet schon bald in Vergessenheit.

Delhi    Ein altertümliches Astronomisches Zentrum in der Innenstadt von Delhi. Dies war als Modell auch im indischen Pavillon auf der EXPO zu sehen.

Universität von Pune, einer der bekanntesten in Indien

 

Nun wuchs sie zur Frau heran, ihre Brüste wuchsen, ihr Gesicht wurde klar. Sie war gewiss ohne Zweifel attraktiv. Viele junge Männer fühlten sich von ihr angezogen. Doch ab und zu trennte sie sich von einem ihrer neuen Freunde, und es war als ob es allein um des Schmerzes willen geschah; der dumpfe Schmerz, der nicht vergessen werden wollte.

Regenzeit in Indien, ein Fluss, der sonst nur trocken ist.

 

 

Sie begann Freunde und Freundinnen um sich herum zu sammeln. Hin und wider aber ging sie zu einem ihrer Freunde und sagte ihm: ”Ich will Dich nicht mehr sehen”, drehte sich um und verschwand. Es blieb nichts als Schmerz bei den Freunden zurück und ein paar Erinnerungen. Auch die junge Frau fühlte den dumpfen Schmerz, doch tröstete sie sich damit, dass dieser Freund nicht das gewesen war, was sie erhofft.

Jahrzehnte später, in einer anderen Familie wurde ein Kind geboren. Das Kind, ein Töchterchen, wuchs heran und alle, ihre Mutter, ihr Vater, und auch ihre Verwandten hatten sie schon seit dem ersten Tag an lieb gewonnen. Glückliche Kindheitstage waren ihr beschienen. Doch mit der ersten Menstruation wurde sie auch zur Frau. Noch nicht erwachsen, doch ihrer selbst sich schon bewusst.

Puna
Prajakta mit Sawli und Diti auf ihrer Hochzeit. Diese Sarees.....

Delhi
Das ‘India Gate’, ein Denkmal an alle indischen gefallenen Soldaten in den Kriegen der Neuzeit

Delhi
Die letzten Schritte Gandhis vor seiner Ermordung.

Jetzt war sie schon im dem Alter, in dem die Heirat anstand. Und ihre Eltern suchten nach einem passenden Bräutigam. Doch einen nach dem anderen lehnte sie ab, bis ihre Eltern verzweifelt aufgaben. Als sie so ihre Mutter in Pein versunken sah, ging sie zu ihr und sprach mit ihr. Selten geschah es, das sie sich miteinander unterhielten. Doch dieses mal erzählte ihr die Tochter im Vertrauen, was ihr Verhalten war.

Darauf schaute ihr die Mutter lang ins Gesicht, erfasste den Mund, die Brauen, das Augenpaar. Und sprach: “ Ich danke dir für dieses ehrliche Gespräch und dein Vertrauen ehrt mich. Doch kann ich Dir nicht helfen.” Schweigen folgte. Noch einmal sprach sie mit warmen mütterlichen Ton: “Ein Onkel erzählte einst von merkwürdigen Umständen beim Tod einer Tante seinerseits. Ich weiß nicht, was er meinte, doch sagte er, dass seitdem ein Geist in unserer Familie umhergeht. Und sich von Zeit zu Zeit an die jungen Töchter lehnt.”

Agra
Das Taj Mahal. Ein Wahrzeichen der Liebe, erbaut von einem moslemischen Herrscher für seine früh verstorbene Frau.
Die Tragödie: Der Sohn setzte seinen herrschenden Vater ab und warf ihn in ein nahes Gefängnis, von dem er dann das Grabmal für seine Frau sehen konnte
.

Da hielt es die junge Frau nicht mehr aus und ging fort. Sie wusste nicht wohin, nur fort wollte sie. Nachdem sie schon einige Zeit unterwegs war, sah sie an dem Wegesrand einen Greis stehen. Ihn sprach sie an und erzählte von ihrer Not.  Er sah die beiden vor sich stehen, die junge Frau und ihren Geist. Da sprach er weise und voll Liebe:

Auch Indien kann sehr grün sein! Auf dem Weg nach Mulshi mit dem Motorroller

“Sprich zu dieser Frau, die einst verstarb. Sag ihr, dass Du sie liebst und nicht vergisst. Sag ihr, sie ist jetzt tot, aber du lebst noch eine Weile, dann stirbst Du auch. Oder sprich: Du hast deinen Mann verloren, ich habe ihn noch eine Weile, und dann verliere ich ihn auch. Nutze einen Satz, der dich versöhnt und löst zugleich!”

Die Frau bedankte sich bei ihm für diesen Rat, und sprach in sich hinein. Alsbald verlies der Geist sie und Liebe durchströmte ihr Herzen.

Jens Eymann


Home buddha2000.de

Mail to info@buddha2000.de

Best screen solution by 768*1024 Pixels (European Standart). Ändere Schriftgrad unter ‘Ansicht’ auf eine angenehme Größe